Gerangel um die Grünabfälle

Biomasse ist begehrt. In der Region Sarganserland-Werdenberg erhofften sich drei Interessenten den Zuschlag. Doch die 14 Gemeindepräsidenten haben entschieden: An der Grünabfuhr ändert sich bis Mai 2011 nichts, trotz der Baubewilligung für eine Biogasanlage in Buchs.

Von Heini Schwendener

Region. – Die Axpo Kompogas AG hat Ende Januar die Baubewilligung für eine Anlage mit einer Verwertungskapazität von 16 000 Tonnen Bioabfällen pro Jahr erhalten. Erfreut verkündete das Unternehmen damals, in zwei bis drei Monaten mit den Bauarbeiten auf der Liegenschaft Langäulistrasse zu beginnen. Getan hat sich in der Zwischenzeit indes nichts, denn die Axpo Kompogas AG hat den erhofften Zuschlag für die Verwertung der Bioabfälle aus Teilen des Einzugsgebiets des Vereins für Abfallbeseitigung (VfA) nicht erhalten.

Änderung ab Mai 2011

Der Verein Region Sarganserland-Werdenberg, dem alle 14 Gemeinden angehören, hat nämlich den Entscheid, wer künftig welche Bioabfälle aus der Region verarbeiten kann, auf Mai 2011 vertagt. Bis dann wird an der bestehenden Grünabfuhr und Kompostierung beim VfA in Buchs nichts geändert. Interessiert an der Biomasse aus der Region ist neben der Axpo Kompogas AG mit ihrer Baubewilligung in Buchs auch die Versuchsstollen Hagerbach AG, Flums. Sie bereitet die Baueingabe für eine Biogasanlage unter Tage vor, und zwar in Zusammenarbeit mit der Sol-E Suisse AG, einer Konzerngesellschaft der BKW. Dieses Projekt hat die Biomasse aus der Region Sarganserland im Visier. Und schliesslich ist da noch das Projekt der TFC Engineering AG in Ruggell von Roland Rebsamen. Er möchte bei der ARA Buchs eine Pilotanlage zur «nachhaltigen Nutzung» von Biomasse realisieren und später solche energieautarke Anlagen in der Region produzieren lassen.

«Wir stehen nicht unter Druck»

Angesichts dieses Gerangels um die Grünabfälle hat die Region Sarganserland-Werdenberg eine Zusage an einen oder mehrere der drei Interessenten aufgeschoben. Vereinspräsident Rudolf Lippuner, Grabs, begründete den Entscheid auf Anfrage: «Wir stehen erstens nicht unter Druck, denn der VfA als bisheriger Abnehmer hat uns nicht gekündigt. Zweitens wird eine andere Lösung deutlich teurer, sodass wir mit Zuwarten sogar Geld sparen. Drittens wollen wir weitere Erkenntnisse zum Projekt von Roland Rebsamen abwarten, das bei einer Umsetzung eine grosse regionale Wertschöpfung ergäbe.» Der Preis wird beim künftigen Entscheid der Gemeinden eine wichtige Rolle spielen. Einen Teil der Entsorgungskosten bilden die Transporte. Würden dezentrale Anlagen bei ARA gebaut (Projekt Rebsamen), könnten lange Transportwege vermieden werden.

Würde hingegen nur eine Biogasanlage – entweder in Buchs oder Flums – in Betrieb gehen, dann müsste laut Rudolf Lippuner ein ransportkostenausgleich für die entfernter liegenden Gemeinden geschaffen werden. Sonst würden sich die beiden Wahlkreise, die vermehrt als eine Region auftreten wollen, nämlich wieder auseinanderdividieren. Die Axpo Kompogas AG, die ja bereits in den Startlöchern ist, ging gestern auf Fragen zur neuen Situation nur ausweichend ein. Sie betonte lediglich, der Standort Buchs sei für sie weiterhin attraktiv.

 

Quelle:
Werdenberger & Obertoggenburger
Dienstag, 24. August 2010

Gerangel um die Grünabfälle (pdf)